Grußwort des Künstlerischen Leiters Domkapellmeister Frank Leenen

Frank Leenen, Künstlerischer Leiter

Wenn es unter den Jubiläen, die wir im Laufe eines Jahres begehen, ein geringeres gibt, dann ist es sicherlich das fünfte. Kaum eine runde Zahl, nicht hoch, kaum der Rede wert. Und dennoch wird hie und da ein 5. Jubiläum gefeiert, sogar richtig gefeiert, mit großem Brimborium. Wenn wir nun die 5. Wiederkehr unseres Festivals "Internationale Festtage geistlicher Chormusik" in Rottenburg begehen, dann ist damit keine besondere Feier verbunden, nirgends eine entsprechende Zeremonie. Aber stolz sind wir doch, auch sprechen möchte ich davon.

Mutig haben wir damals, das war 1995, von den ersten "Festtagen . . . " gesprochen. Einfach voraussetzend, dass dieses Festival so gut wird, dass es ein weiteres geben muss. Neben Nicola Löffler war es noch Thomas Schüle, die sich mit mir zusammen an einen Tisch gesetzt haben, um dieses "Ding" aus der Taufe zu heben. Begeistert über ein "Event der besonderen Art" gingen wir auf das Domkapitel zu, das diesen Plan, schneller als wir überhaupt gucken konnten, befürwortete, allerdings nur für einmal. Klar, man wollte erst mal sehen, ob das überhaupt was wird, was wir uns da ausgedacht hatten. Auch beim damaligen Oberbürgermeister bekamen wir jegliche Unterstützung.

Heute ist eine Fortschreibung für alle eine Selbstverständlichkeit; heute sind es wir, die wir diese Festtage einst begonnen haben, die jedes Mal neu überlegen müssen, ob ein Festival mit solch hoher Einbindung von Ehrenamtlichkeit auf allen Seiten auf Dauer noch zu stemmen ist. Denn das, was andernorts mit einer bezahlten Crew und einem hohen Budget angegangen wird, wird hier in Rottenburg "so nebenher" geleistet. Deshalb also nach jedem Festival die Grundsatzfrage: "Können wir überhaupt weitermachen?" An Begeisterung und an Ermutigung jedenfalls fehlt es nicht. Und das ist der Grund, warum es immer wieder eine Fortsetzung gegeben hat. Die Begeisterung, die spürt man allerorts. Die Ermutigung erfährt man durch die Hundertschaften von Helfern und Gastgebern, die immer wieder mit von der Partie sind. Aber auch von unseren Geldgebern, die mit aller Selbstverständlichkeit die Mittel bereitstellen, geht diese Ermutigung maßgeblich aus. Ihnen allen gilt mein Dank.

Auf zwei Besonderheiten, die unser diesjähriges Festival bereichern, möchte ich besonders hinweisen. Das ist einerseits die Verbindung mit den Bildern von Christel Bak-Stalter. Fast durch einen Glücksfall bin ich auf diese Künstlerin aufmerksam geworden; um so mehr freut es mich, dass hier ein Zusammenwirken der Künste auf ganz besondere Art zustande gekommen ist. Den Besuch der Ausstellung mit weiteren Werken von ihr im 'Haus am Nepomuk' möchte ich besonders empfehlen. Das ist andererseits der Evensong, der von der BBC auf­gezeichnet wird. In ihm kommt besonders der Aspekt des gemeinsamen Musizierens und der Begegnung in der gottesdienstlichen Musik zum Tragen. 

Speziell zum 5. Bestehen unseres Festivals haben wir also keine besonderen Jubiläumsakte vor­gesehen. Allerdings haben wir uns eine Besonderheit erlaubt: "alte Bekannte" einzuladen. Zwei der teilnehmenden Chöre waren beim allerersten Festival dabei: Der "Caius College Choir" aus Cambridge und das "Renner Ensemble Regensburg" aus Deutschland. Ihnen gilt deshalb unser besonderer Gruß. 

Ich wünsche unseren Gästen, dass sie sich wohlfühlen, wünsche allen, die sich hier engagieren, dass sie für ihr Tun durch ein rundum erfolgreiches Festival belohnt werden.

 

Frank Leenen

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