Grußwort des Schirmherren Bischof Dr. Walter Kasper

Dr. Walter Kasper

Allen Liebhabern sakraler Musik sind die "Internationalen Festtage geistlicher Chormusik", die wir 1995 zum ersten Mal in Rottenburg veranstalteten, noch in lebhafter und guter Erinnerung. Sie haben weit über die Grenzen Rottenburgs hinaus deutlich gemacht, wie wichtig uns die geistliche Musik ist: welchen künstlichen Anspruch wir an sie stellen und welche Förderung wir ihr angedeihen lassen. Wenn wir an das 25jährige Jubiläum der Kirchenmusikschule und ihre Erhebung zur Hochschule für Kirchenmusik im vergangenen Jahr denken, ebenso aber an den regelmäßigen liturgischen Dienst und die Konzerte der Domsingschule, nicht zuletzt an die Tradition der Rottenburger Orgelkonzerte und die zahlreichen anderen kirchenmusikalischen Aktivitäten, dann ist es kaum übertrieben, im Zentrum unserer Diözese tatsächlich auch ein wichtiges Zentrum geistlicher Musikkultur in unserem Land zu sehen.

Wie schon das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich betonte (Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium", 114), soll ja insbesondere an den Kathedralkirchen der "Schatz der Kirchenmusik", gerade auch der Chormusik, mit größter Sorge bewahrt und gepflegt werden. Um so mehr freue ich mich über die Festtage geistlicher Musik in Rottenburg und danke allen, die zu ihrem Zustandekommen beigetragen haben, den Organisatoren, den Sponsoren, Gastgebern und Helfen, sehr herzlich. Geistliche Musik ist ja bei weitem nicht nur liturgischer Zierrat. Mit den ihr eigenen ästhetischen Mitteln schafft sie vielmehr einen Raum, in dem sich Unhörbares und Unerhörtes vernehmen lässt, das sich nicht in Sprache und Begriffe übersetzen lässt.

Nicht die Musik selbst, vielmehr das, was sich durch das Hörbare der Musik hindurch als Unhörbares nur erahnen lässt, macht ihre religiöse Dimension aus. Nur weil das Wesentliche der Musik nicht selbst Musik ist - gerade weil es aber auch nur in der musikalischen Form sich mitteilen kann - kommt der geistlichen Musik besondere Würde zu.

Musik vermag gerade deshalb Brücken zu bauen, Menschen verschiedener Herkunft und Religion zu verbinden. Sie erleichtert menschliche Begegnung und dient damit der Verständigung und dem Frieden zwischen den Nationen und kulturellen Gruppen. Über vierhundert Sängerinnen und Sänger, 12 Chöre aus 11 Nationen, dürfen wir zu diesen zweiten internationalen Festtagen willkommen heißen.

Es ist beeindruckend, welch verschiedene musikalische Traditionen und Epochen, Kulturen und Spiritualitäten sich bei diesem Festival begegnen. Sie bringen zum Ausdruck, wie reich und vielfältig die Tradition geistlicher Chormusik ist, und zugleich, worin sie ihre Harmonie und ihren einenden Grund als geistliche Musik findet. Als Schirmherr sage ich allen Sängern, Musikern und Besuchern ein herzliches "Grüß Gott!" Den 2. Internationalen Festtagen geistlicher Chormusik wünsche ich ein gutes Gelingen. Mögen sie uns in den vielen Worten und Tönen dieser Zeit auf Gott und das unerhörte Geheimnis seiner Zuwendung aufmerksam machen!

Dr. Walter Kasper

Bischof von Rottenburg-Stuttgart

 

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